Zahnrad Turkoise Achtsamkeit 2 ValeAchtsam denken

Meist sind wir in Gedanken – an Vergangenes und Künftiges. Achtsamkeit bedeutet dagegen, das Jetzt wahrzunehmen. So erkennen wir, was in unserem Bewusstsein gerade geschieht: dass wir zum Beispiel das Streitgespräch mit einem Kollegen im Kopfkino laufen lassen oder dass wir uns über eine Deadline Sorgen machen. Und wir öffnen unser Bewusstsein für das, was oft von zwanghaftem Denken überlagert wird: Informationen von unseren Sinnesorganen, innere Körperempfindungen, verborgene, vielleicht verdrängte Gefühle und Gedanken. Wir werden also zu aufmerksameren Beobachtern unserer eigenen Geistestätigkeit – und zugleich unserer Umwelt. Das erlaubt uns, besser zu denken, zu kommunizieren und zu handeln.


Konzentration, Effizienz

Wir sind zufrieden, dass wir eine Aufgabe eine Stunde ununterbrochen bearbeitet haben – dabei ist unser Bewusstsein hunderte Male meist unbemerkt umhergesprungen, und nur ein Teil der Sekundenschnipsel, in die unser Denken zerfällt, war tatsächlich der Aufgabe gewidmet. Achtsamkeit erlaubt uns, den Gedankenstrom beständiger in die gewünschte Richtung zu richten. Zudem erkennen achtsame Menschen leichter, wie sie gerade am besten arbeiten können: dass sie eine Pause brauchen oder einen Ortswechsel oder einen Diskussionspartner, um produktiv zu bleiben – oder im Gegenteil, dass sie gerade jetzt fit für die Schlüsselaufgabe sind. Und schließlich merken achtsame Menschen, wenn Gedanken und Gefühle sie von der Arbeit ablenken und dem Gehirn (wissenschaftlich messbar) Energie kosten. Sie können sich diesen dann bewusst zuwenden, um die Ursachen zu lösen oder um einfach loszulassen.

Offenheit in der Kommunikation

Meist hören wir nur mit den Ohren zu. Unser Bewusstsein ist mit anderen Dingen beschäftigt: Wir ärgern uns, dass der Sprechende zu langatmig ist oder vom Thema abweicht oder etwas sagt, dass wir selbst einbringen wollten. Oder wir planen unseren eigenen Beitrag. Oder wir schweifen zu ganz anderen Gedanken ab.

Achtsamkeit hilft dagegen, ganz beim Sprechenden zu bleiben. So nehmen wir viel mehr Informationen auf – und zwar nicht nur die explizit Formulierten. Wir verarbeiten und merken uns diese Informationen besser. Und wir vermitteln echte Wertschätzung.

Wer sich in achtsamen Zuhören übt, macht zudem die angenehme Erfahrung: Die passenden Worte stellen sich plötzlich ein, wenn man selbst an der Reihe ist zu sprechen.


Impulsdistanz, Kontrolle

Die Gehirnforschung zeigt, dass Handlungsimpulse bereits Sekundenbruchteile lang aktiv sind, ehe wir uns ihrer bewusst werden. Wir glauben, dass wir uns frei entschieden haben, unsere Hand zu bewegen oder uns einer neuen Aufgabe zuzuwenden. In Wirklichkeit haben wir es lediglich unterlassen, bewusst einen Impuls zu unterbinden, der aus dem Unterbewussten kam. Unser freier Wille beschränkt sich oft auf ein Veto.

Wer sich in Achtsamkeit übt, erlebt die inneren Impulse bewusster, ehe daraus Handlungen werden. So lässt sich kontraproduktives Verhalten vermeiden: Man bleibt bei der Aufgabe, statt rasch noch einmal die E-Mails zu checken, und man deeskaliert einen beginnenden Konflikt, statt ihn mit einer wütenden Antwort anzuheizen.


Freiheit, Verantwortung, Gelassenheit

Die eigenen Gedanken und Gefühle zu kennen, vergrößert unsere Freiheit nicht nur gegenüber den momentanen Impulsen. Wir begreifen, dass wir uns viel seltener in Zwangslagen befinden, als wir glauben. Indem wir unsere Gedanken hinterfragen, entdecken wir neue Wege.

Die Freiheit des Denkens hilft uns auch, unsere Verantwortung für unsere Probleme zu begreifen. Oft haben wir durch Handeln oder Unterlassen dazu beigetragen – und immer geschieht das Leiden daran in unserem Gehirn. Wir können den Leidensdruck nicht einfach abschalten, aber oft können wir ihn relativieren.

Zu verstehen, dass wir zu unseren Problemen immer beitragen, also immer auch Macht über sie haben, schafft Gelassenheit. Wir denken nicht: „Mir ist etwas Schreckliches widerfahren, dem ich nicht entgehen kann!“, sondern: „Ich fühle mich jetzt aus bestimmten Gründen schlecht, aber ich weiß, dass diese Gefühle nicht für immer anhalten werden. Ich kann etwas an meiner Lage und an meiner Wahrnehmung ändern, und es liegt sowieso in der Natur von Gefühlen, dass sie uns endlos und übermächtig erscheinen – und dann legen sie sich doch.“


Die Vorteile auf einen Blick

Ablenkende Gedanken loslassen und das Bewusstsein ganz auf eine Aufgabe konzentrieren, die unserer gegenwärtigen geistigen Bereitschaft entspricht. Aufmerksam zuhören und viele Informationen aufnehmen, verarbeiten und speichern. Handlungsimpulse rechtzeitig erkennen und kontraproduktives Verhalten unterbinden. Probleme verantwortungsbewusst und gelassen angehen und dabei den ganzen Gestaltungsspielraum sehen – diese Wirkungen der Achtsamkeit sind besonders wichtig, um allein und in Gruppen effektiv zu denken. Sie stehen daher im Mittelpunkt der Workshops.

Aber das ist nicht alles. Achtsamkeit ermöglicht zum Beispiel auch, sich selbst und andere in Interaktionen klarer wahrzunehmen und die eigenen Ziele tiefer zu verstehen. Und Führungskräften dürfte ebenso wie anderen Menschen an der positiven Wirkung auf Immunwerte, Gesundheit und Zufriedenheit liegen.

Und noch ein Forschungsergebnis: Regelmäßige Achtsamkeitsübung vermehrt die Zahl der Neuronen und deren Aktivität in einigen Gehirnregionen (insbesondere der für positive Emotionen zuständigen), steigert die Neuroplastizität (also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen aufzubauen), verändert die Häufigkeitsverteilung der Gehirnwellenlängen, erhöht die Synchronisation innerhalb und zwischen Gehirnregionen und wirkt der Alterung des Gehirns entgegen.


Der Workshop

Im Workshop üben wir Achtsamkeit, besprechen die Erfahrungen und überlegen, wie die Teilnehmer künftig mehr Achtsamkeit pflegen können. Dabei geht es nicht darum, schwierige Techniken zu beherrschen. Achtsamkeit ist einfach: das Jetzt wahrnehmen. Denn das Bewusstsein unseres Bewusstseins ändert unser Bewusstsein.