Flexibel denken

Wir denken in verschiedenen Modi. Zum Beispiel analytisch oder kreativ, reduktionistisch oder komplex, pessimistisch oder optimistisch, allein oder im Team. Jeder Mensch hat seine bevorzugten Denk-Modi, die er besonders gut beherrscht. Allerdings verhält es sich wie mit dem berüchtigten Hammer: Wer sonst kein Werkzeug hat, für den sieht jedes Problem nach einem Nagel aus. Man erkennt zwar, dass man das Problem nicht befriedigend gelöst hat und sucht nach einer Alternative, verwendet dafür jedoch wieder die gleichen Denk-Modi.

Die Dimensionen bieten eine Sprache, um unser Denken zu untersuchen. Das ermöglicht uns zum einen, uns mit unseren Stärken und Schwächen vertraut zu machen. Zum anderen können wir unser Denken so besser steuern, um flexibel auf die Anforderungen der jeweiligen Aufgabe einzugehen. In der Psychologie gilt nicht derjenige als gesund, der immer fröhlich und zuversichtlich ist, sondern, wer mit einem breiten Gefühls- und Verhaltensspektrum situationsadäquat reagiert. Das gleiche gilt für das Denken: Jeder Modus hat sein Recht, und die Kunst ist es, mühelos und angemessen zu wechseln. Hier zwei Beispiele.


Konkret versus abstrakt (Vertikale Flexibilität)

abstractAls vertikale Flexibilität concrete(1)bezeichnen wir die Fähigkeit, die Betrachtungsebene angemessen zu wechseln. Menschen neigen dazu, sich auf einer Ebene festzubeißen. Das mag tatsächlich die Ebene sein, auf der am meisten Arbeit zu verrichten ist. Trotzdem sollten wir gelegentlich ein Stockwerk hinaufsteigen und die Bezüge zu höheren Zielen und abstrakteren Konzepten herstellen und ebenso hinunterdrillen, um das Denken anhand konkreter Beispiele zu prüfen und zu bereichern. 


Stetig versus beweglich (Horizontale Flexibilität)

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Analog dazu bedeutet horizontale Flexibilität die Fähigkeit, sich angemessen zwischen Aspekten der gleichen Betrachtungsebene zu bewegen. So kann es günstig sein, zunächst die Grundzüge aller Elemente eines Problems zu skizzieren, sodann ein Element ausführlicher zu behandeln und daraufhin zu einem anderen zu wechseln, von dem das erste wesentlich abhängt. Problematisch ist sowohl Starrheit, bei der jedes Element erschöpfend abgehandelt werden muss, als auch planlose Sprunghaftigkeit (zumindest außerhalb der kreativ-divergenten Phase).


Formalisiert versus expressiv

formalizedDas Extrem an Formalisierung sind quantifizierte Modelle, häufig mit statistisch hergeleiteten Parametern. Etwas weniger formalisiert sind grafische Netzwerke, die Kausalitätsbeziehungen qualitativ abbilden. Allgemein weisen Zahlen und Schemata – etwa: Ziele, Mittel, Maßnahmen – auf Formalisierung hin.

Expressiv ist eine Ausdrucksform, dexpressiveie sich zwar im Abbild, nicht jedoch in ihrer Bedeutung digitalisieren lässt. Dazu zählen Geschichten, Bilder und Körpervorstellungen. Sie sind spezifisch menschlich und sprechen uns auf eine Weise an, die Computer nicht repräsentieren können. So verarbeitet unser Gehirn den Begriff „Risiko“ anders, wenn wir uns vorstellen, dass wir über ein Seil balancieren, als wenn wir eine Value-at- risk-Kalkulation betrachten. Und die bebilderte Geschichte einer Abteilung führt zu einer anderen Diskussion als eine Übersicht, wie sich Mitarbeiterzahl, Fluktuation und Leistungskennziffern über die Jahre entwickelt haben.

Wieder geht es um Vielseitigkeit. Formalisierung zwingt zur Eindeutigkeit und damit zur Auseinandersetzung, sie legt die Grenzen unseres Wissens offen, enthüllt Inkonsistenzen und konkretisiert Bewertung und Planung. Expressive Formen schaffen neue Ideen und Einsichten, wecken Emotionen, geben Energie und stimulieren die Intuition.


Workshop-Ziele

Im Workshop reflektieren wir die Formen des Denkens und untersuchen unsere individuellen Denkstile: Wie gut sind wir in der Lage, angemessen zwischen den Denk-Modi zu wechseln? Wie gut gelingt uns der multiple, dynamische Balanceakt? Zudem üben wir Techniken, um die Denk-Modi flexibel und aufgabengerecht einzusetzen.