Zahnrad Grün SystemischSystemisch Denken

Führungskräfte stehen vermehrt vor komplexen Problemen, bei denen sie die Interaktion zahlreicher Variablen berücksichtigen müssen. Denn die Unternehmen werden globaler, ihre Aktivitäten durch die Informationstechnologien zugleich immer integrierter. Entwicklungen im Umfeld beeinflussen den Erfolg stärker, zum Beispiel Klimawandel und nachhaltiger Konsum. Und technologische Innovationen verändern Produkte und Prozesse immer rascher.

Monokausales, sequentielles Denken versagt bei solch komplexen Systemen. Entsprechend wichtiger wird systemisches Denken, das Zusammenhänge begreift. Das die eigenen mentalen Modelle offenlegt und damit Veränderung ermöglicht. Das Verzögerungen berücksichtigt und dynamische Entwicklungspfade antizipiert. Das Interessenskonflikte erklärt und diverse Perspektiven zusammenführt.

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Systemdenken

Systemdenken im Management ist mehr als ein Werkzeug unter vielen. Es ist eine umfassende Herangehensweise, eine pragmatische Philosophie – mit folgenden Charakteristika:

  • strukturell: Statt kurzfristig Einzelaspekte zu behandeln, werden viele Faktoren und Zusammenhänge berücksichtigt. Ziel ist, die Perspektive zu erweitern und die Analyse zu vertiefen.
  • situativ: Ausgangspunkt ist das sokratische „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Ergebnisse gelten als temporär, da sich Systeme ständig wandeln.
  • partizipativ: Kein Einzelner kann ein komplexes System erfassen. Weder Experten noch Vorgesetzte können sich auf besondere Autorität berufen. Es ist notwendig, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen.
  • pragmatisch: Entscheidungen werden letztlich intuitiv gefällt – sie bauen auf der Analysephase auf, werden aber nicht zwingend daraus abgeleitet. Deswegen sollte die Analyse das intuitive Verständnis der Entscheider fördern.

Komplexität managen

Zu den typischen Fehlern im Umgang mit Komplexität zählen:

  • Probleme verspätet erkennen und dann unterschätzen, zum Beispiel weil Puffer – wie beim Klima – die negativen Konsequenzen verzögern
  • Probleme falsch diagnostizieren und entsprechend unwirksam behandeln, schlimmstenfalls mit Maßnahmen, die die Symptome kurzfristig lindern, das Problem langfristig jedoch verschärfen
  • die Verzögerung zwischen Maßnahme und Wirkung unterschätzen und deswegen übersteuern oder zu anderen Maßnahmen springen
  • untersteuern, weil man nicht erkennt, dass die Trägheit des Systems Maßnahmen zunichtemachen, solange die Steuerimpulse nicht ausreichend stark sind
  • lokal optimieren, also jeweils die beste Lösung aus der aktuellen Perspektive wählen, ohne die Auswirkung auf das Gesamtsystem zu beachten – der typische Kampf zwischen Entwicklung, Fertigung und Verkauf oder zwischen Projekten, die auf die gleichen Ressourcen angewiesen sind

Netzwerke

Um komplexe Systeme besser zu verstehen und zu lenken, helfen Netzwerke, die die Variablen und ihre Zusammenhänge visualisieren. Damit können auch Wirkintensitäten und Zeitverzögerungen verdeutlicht werden.

 

Analytisch denken Beispiel

Nutzen

Visualisierte Netzwerke unterstützen das gemeinsame Denken. Sie strukturieren die Diskussion, konkretisieren und versachlichen. Sie zwingen, vermeintlich Offensichtliches aufzuschreiben und legen so Fehler, Annahmen und ungleiche Auffassungen offen. Sie erleichtern allen Teilnehmern, die Zusammenhänge jenseits ihres Fachbereichs zu begreifen und auch dort zur Diskussion beizutragen. Und sie dokumentieren die Ergebnisse.

Das Resultat: bessere Lösungen für komplexe Herausforderungen. Aber auch in der Umsetzung zahlt sich Systemdenken aus. Das tiefere Verständnis bei einer größeren Zahl von Mitarbeitern ermöglicht, Pläne in der Umsetzungsphase angemessen zu konkretisieren und an neue Informationen anzupassen. Zudem motiviert der partizipative Charakter des Systemdenkens und schafft Verantwortungsbewusstsein.

Um das Systemdenken zu üben, analysieren die Teilnehmer konkrete Herausforderungen ihrer Organisation. Das erleichtert den Transfer des Gerlernten in die Praxis. Außerdem erarbeiten sie so konkrete Lösungen, die über den Workshop hinaus Nutzen stiften.